Autognom: Das vielseitige Forschungs- und Fährboot der Hochschule Flensburg

    Die AutoGnom ist ein Fähr- und Forschungsboot, das vom Konzept bis zur Realisierung und anschließender Nutzung vom Maritimen Zentrum der Hochschule Flensburg betreut wird.

    Das duale Nutzungskonzept:

     

    Die AUTOGNOM befindet aktuell in der Endphase des Baus und soll noch 2026 in die Seeerprobung gehen. Für 2027 ist eine Zulassung und Nutzung als Fährboot angestrebt.

     

    Das duale Betriebskonzept sieht den Sommer-Fährbetrieb über einen externen Betreiber vor, der dem Nahverkehr und touristischen Zielen dient. Gleichzeitig sollen Messwerte gesammelt und Informationen über MINT, maritime Forschung und Studiengänge an Fahrgäste vermittelt werden. AutoGnom fördert so nebenbei Interesse an technisch-maritimen Aufgaben und trägt zur Stärkung technischer Ausbildungs- und Studiengänge bei. In der übrigen Zeit können auch neue Technologien an der AutoGnom in dem hierfür ausgewiesenen Bereich des Flensburger Hafens in Probefahrten erprobt werden.  

     

    Forschungsziele

    Anstatt einer Eigenentwicklung autonomer Navigationstechnik sollen solche Lösungen zu einem späteren Zeitpunkt in Projekten an der AutoGnom auf ihre Anpassungsfähigkeit hin getestet werden. Das übergeordnete Ziel des Bootes besteht bis dahin darin das ganzheitliche schiffstechnische Konzept für ein behördlich genehmigtes vollautonom fahrfähiges Boot und die Erprobung einzelner autonomer Hilfssysteme umzusetzen. Hierfür wurden einige strategische Voraussetzungen bereits im Entwurfsstadium geschaffen:

     

    -       Umfangreiche Redundanzen

    -       Verzicht auf vermeidbare, wartungsintensive Komponenten

    -       Sicherheit gegen Cyber-Angriffe

    -       Hohes Maß an Automatisierung

    -       Beherrschbarkeit der Komplexität durch einen intelligenten Automationsstandard

     

    So sucht man auf der AUTOGNOM vergeblich nach Verbrennungsmotoren, Wasserkühlsystemen, Pneumatik oder Hydraulik. Die redundanten elektrischen, durch umgebungswassergekühlten Rim-Antrieb weisen kein Antriebsgetriebe auf, benötigen aufgrund Wasserschmierung keine Wellenabdichtung, kein Schmieröl oder Fett und verringern aufgrund der fehlenden Nabe auch das Ausfallrisiko durch Schnüre und Netze.

     

    Die Nickel- und Kobalt-freien LiFePO4-Akkumulatoren-Sätze, Energieübertragung auf 24V und 48V, Netzwerke, Automatisierungstechnik, Fahrstände, Anzeigen, Propulsions- und Manövrieranlagen sind allesamt räumlich getrennt und redundant ausgeführt. All dies bewirkt ein Maß an Ausfallsicherheit, dass aktuelle Anforderungen an Fährboote klar übertrifft, für einen sicheren vollautonomen Betrieb aber unverzichtbar erscheint.

     

     

    Besonderheiten des AUtoGnom-Projektes

    Neben den am Projekt beteiligten Experten wurden auch zahlreiche Studierende an Konstruktion, Berechnung, Simulation, Programmierung und Bau beteiligt. Auf diese Weise kommt das AutoGnom-Projekt unmittelbar auch den Studierenden durch praxisnahe Erfahrungen an hochaktuellen Aufgabenstellungen zugute.

    Automatisierungsmodule des Bootes sind so konzipiert, dass sie soweit möglich durch umfangreiche Sensorik und reproduzierbare Programmierung einer später den Menschen ersetzenden KI nur wenige Entscheidungsfreiheitsgrade überlassen. Dies in Verbindung mit der Verwendung digitaler Zwillinge der verbauten Technologie soll den Prüfaufwand, die Erprobungsdauer autonomer Systeme deutlich erleichtern und somit auch wirtschaftlicher gestalten.  

     

    Eine einfache, schnelle und fehlerfreie Integration der durch diesen Ansatz noch komplexen Automationssysteme wird bei der AutoGnom erstmals im maritimen Bereich mit einem flächendeckenden Einsatz des maritimen Module Type Packaging (MTP)-Standards begegnet.

     

    Fazit

    Bereits im Bau weist die AutoGnom etliche Alleinstellungsmerkmale die Ihr bereits jetzt großes Interesse, zahlreiche Unterstützer und schon vor der Fertigstellung laufende Projekte eingebracht hat. Ihr besonderes Nutzungskonzept bietet der Hochschule die Möglichkeit auch in Zeiten knapper Kassen für Bildung und Forschung eine herausragende Forschungsplattform zu betreiben.